Große Hilfe für kleine Attraktion

Seit dem Jahr 2012 leistet der Vogtlandkreis aktiv große Artenschutzhilfe für eine kleine Attraktion: Die akut vom Aussterben bedrohte Flussperlmuschel. Ungefähr 8.000 winzig kleine Jungmuscheln konnten im August 2019 'geerntet' werden. Die von den Wirtsfischen abfallenden Jungmuscheln haben dabei eine Schalenlänge von nur ca. 0,5 Millimeter. 

In einer Zuchtstation im Oberen Vogtland läuft der komplizierte Vermehrungszyklus der Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera).

Die Station wurde eigens für diese Artenschutzarbeit ausgebaut. Hier kann die Zucht unter kontrollierten Bedingungen außerhalb des natürlichen Lebensraumes ablaufen.

Die Flussperlmuschel gilt als europaweit gefährdete Art.

Zuchtbilanz 2019

Ungefähr 8.000 winzig kleine Jungmuscheln konnten 2019 in der Zuchtstation 'geerntet' werden. Die von den Wirtsfischen abfallenden Jungmuscheln haben dabei eine Schalenlänge von nur ca. 0,5 mm. 


Mitte April bis Anfang Juli
(erste Lebenswochen)

Die selektierten Muscheln wurden: 

  • bei konstanten Temperaturen um die 15°C in Plastikboxen gehalten,
  • zwei bis dreimal wöchentlich mit frischem Wasser und passender Nahrung (Detritus, Algenpräparate) versorgt
  • auf Krankheiten (insbesondere Verpilzungen) kontrolliert.

Ende Juli bis Anfang August

Die winzigen Muscheln wurden

  • in Lochplattenkäfige (ca. 4.500) und Drahtgitterröhrchen (ca. 1.500) in ausgewählte Gewässerabschnitte gesetzt.
  • Ziel und Zweck: Monitoring zu Überlebensrate und Wachstum (ArKoNaVera-Projektleitung, TU Dresden) 

Weitere ca. 2.000 Jungmuscheln werden für zusätzliche Aufwuchsversuche im Labor gehältert. Diese kommen im Herbst ebenso in die Zielgewässer, allerdings kontrolliert in Käfigen.


Vorbereitungen für 2020

Für den Muschelnachwuchs 2020 haben beauftragte Spezialisten bereits Anfang August junge Bachforellen mit reifen Muschellarven der erwachsenen Tiere infiziert. Den Winter verbringen die ein- und zweisömmrigen Bachforellen bei einem beauftragten Fischwirt. Im März kommen sie zum Abwerfen der Jungmuscheln in die Zuchtstation. Damit beginnt der Zuchtzyklus von Neuem.

Zuchtbilanz 2018

Das Jahr 2018 erbrachte mit mehr als 100.000 geernteten Jungmuscheln den bislang größten Erfolg in der vogtländischen Muschelzucht. 

Ziele der Muschelnachzucht

Mit den im Oberen Vogtland gezüchteten Muscheln will man eine neue Muschelgeneration aufbauen, die sich selbständig reproduziert.

Die sensiblen Jungtiere dienen außerdem dem sogenannten Biomonitoring: Sie sollen also helfen, geeignete Gewässerabschnitte zum Auswildern und Wiederansiedeln zu finden. Grund: Die vom Aussterben bedrohte Flussperlmuschel gilt als Reinwasserindikator.

Bundesprojekt schützt Flussmuscheln

Als Umsetzungspartner ist der Vogtlandkreis in diesem Zusammenhang an einem sächsisch-bayerischen Projekt zum Schutz zweier Großmuschelarten beteiligt:

 

  • Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera)
  • Malermuschel (Unio pictorum)

Dieses Projekt läuft seit 2015 im Vogtland, in der Lausitz und in Niederbayern. Beteiligt sind neben dem Vogtlandkreis sieben weitere Umsetzungs- und Forschungspartner. Koordinator ist die Technische Universität Dresden.